Halt! Inne!

Morgengebet vor dem Terminkalender (KW 3, 15.1.2018)

Ich weiß nicht, wer mir heute begegnen wird; ich weiß nicht, wie die mir begegnen werden, von denen ich weiß, dass ich sie heute treffe. Und wenn ich meine, ich wüsste es doch schon, und sie einordne, sortiere, beurteile, dann habe ich mich selbst bereits verschlossen und ihnen Unrecht getan, indem ich entweder nichts mehr von ihnen erwarte oder sie mit meinen Erwartungen überfordere und überfrachte. Ich erwarte jeden, aber ich erwarte ihn je zum ersten Mal, denn ich erwarte in ihm je den Herrn, seine Liebe, sein Ja, mit denen er jeden Menschen angenommen, durchlitten und so erlöst hat. Alle, die mir begegnen können, sind Erlöste, und wenn die Erlösung bei ihnen noch nicht ankam und durchkam, so soll die Begegnung mit ihnen eine Chance sein, damit dies geschehen kann. Keiner soll mir heute begegnen, für den ich nicht schon gebetet habe, zu dem ich nicht schon gesagt habe: Komm nur, es ist gut, dass du kommst, es ist gut, dass du da bist! Der einzige, der heute sicher kommt, ist Jesus; und in allem, was kommt, hat Er einen Termin bei mir.

(aus: Klaus Hemmerle: Gottes Zeit – unsere Zeit)

Ausgewählt von Klaus Kohnz

Archiv

Hier können Sie sich die Impulse der letzten Wochen noch einmal durchlesen.

  • Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt (KW 2, 8. Januar 2018)

    Am Anfang des Jahres ist in der deutschen Kirche der Afrikatag:
     „Gegen die Not. Seit 1891.“
    Mit der Aktion will sich die Kirche für Menschen in Afrika einsetzen.
    Das Anliegen: Gottes Liebe spürbar machen und zugleich Entwicklung fördern.
    Es
    ist die älteste gesamtkirchliche Sammlung der Welt!
    1891 rief Papst Leo XIII. die Kollekte ins Leben. Er bat um Spenden für den Kampf gegen die grausamen Menschenjagden der Sklavenhändler auf dem afrikanischen Kontinent.
    Aus den Materialien von MISSIO zum Afrikatag 2018 stammt das folgende Bild „Kreuzüberwinder“ von Jörgen Habedank mit der Bildmeditation:

     

    Der Text kann im Wechsel mit dem Liedruf „Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“ (GL 323) vorgetragen werden.

    • Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
      hast mich geheilt und mit Freude umgürtet.
      Dir singt mein Herz
      und will nicht verstummen.
      Dir will ich singen in Ewigkeit.

    Im Dunkel der Nacht,
    am untersten Rande der wichtigen Welt
    – übersehen und abgeschoben –,
    bricht Neues auf,
    drängt Leben ans Licht,
    kommen Farben in Bewegung –
    schenkt Gott den Menschen Hoffnung.

    • Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
      hast mich geheilt und mit Freude umgürtet.
      Dir singt mein Herz
      und will nicht verstummen.
      Dir will ich singen in Ewigkeit.

    Im Dunkel der Nacht,
    am Rande der enttäuschten Hoffnung
    – aufgegeben und verzweifelt –,
    verwandelt sich das Kreuz,
    bewegt sich das erstarrte Leben,
    tanzen die Farben gen Himmel –
    schenkt Gott den Menschen Leben.

    • Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
      hast mich geheilt und mit Freude umgürtet.
      Dir singt mein Herz
      und will nicht verstummen.
      Dir will ich singen in Ewigkeit.

    „Ein Mensch mit gütigem, hoffendem Herzen
    fliegt, läuft und freut sich;
    er ist frei.
    Weil er geben kann,
    empfängt er.
    Weil er hofft,
    liebt er.“ (Franz von Assisi)

    • Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
      hast mich geheilt und mit Freude umgürtet.
      Dir singt mein Herz
      und will nicht verstummen.
      Dir will ich singen in Ewigkeit. (Quelle: MISSIO –Afrikatag 2018)

    Ausgewählt von Ralf Pius Krämer

     

  • Wünsche für das Neue Jahr (KW 1, 1. Januar 2018)

    Hoffnungsvolle Schritte

    wünsche ich Dir

    in diesem neuen Jahr

    getragen von der Achtsamkeit

    die Gottes Segen erfahren lässt.

     

    Vertrauensvolle Begegnungen

    wünsche ich Dir

    heilende Momente des Aufatmens

    die Gottes Segen spüren lassen.

     

    Glückliche Stunden

    wünsche ich Dir

    die auch dem Unglücklichsein

    in deinem Leben Platz lassen

    damit du echter Mensch wirst

    durch Gottes Segen in all deinen Beziehungen.

    (Pierre Stutz, Unserer Sehnsucht folgen. Freiburg i. Br. 2014)

     

    Das Dekanatsteam wünscht Ihnen Allen ein Frohes und Gesegnetes Neues Jahr!

    Simone Thomas

  • Er ist schon dort (KW 52, 25. Dezember 2017)

    Inmitten der Nacht erscheinen Engel.

    Inmitten der Angst wird Freude und Frieden verkündet.

    Inmitten der Dunkelheit strahlt ein Licht auf.

     

    Wo ist Dir schon mal ein Engel begegnet?

    Was vertreibt Deine Angst?

    Was gibt Dir Frieden?

    Was macht Dir wirklich Freude?

    Was hilft Dir, die Hoffnung auf das Licht auch in der Dunkelheit nicht aufzugeben?

     

    Er ist schon da!

    Der dich getragen, geprägt, geführt und befreit hat.

    Er ist schon dort.

    Geh mit ihm.

    Erfahre ihn, wie du es nie geglaubt.

    Er ist schon dort.

    Der dich in Ungeahntes, Neues führt.

    Er ist schon dort.

    Geh - du bist nicht verlassen.

    (Bernhard von Clairvaux)

     

    Das Dekanatsteam wünscht Ihnen ein frohes und hoffnungsvolles Weihnachtsfest!

    Vanessa Lay

  • Wellenreiten (KW 51, 18. Dezember 2017)

    Vor kurzen bin ich über eine kurze Geschichte gestolpert: Daniel Delphin, ein Träumer. Er ist ausgebrochen aus der Routine des Lebens. Er sucht nach dem „Mehr“, nach dem Sinn des Lebens.

    Dazu nimmt er sich jeden Tag Zeit. Im Wellenreiten versucht er diesem Mehr auf die Spur zu kommen.

    In der Geschichte gibt es natürlich auch andere Meeresbewohner, die nicht nachvollziehen können, warum Daniel Zeit für etwas vergeudet, was ihn augenscheinlich nicht weiterbringt, was nichts zu seinem Lebensunterhalt beiträgt. Das ist Daniel Delphin aber egal. Er sucht die perfekte Welle – den Sinn seines Lebens.

    Es gibt Zeiten im Leben, in denen man seinen eigenen Weg gehen muss. Zeiten in denen man seine Träume verwirklichen muss und Zeiten in der man für seine Überzeugungen eintreten muss.

    Adventszeit - vielleicht eine gute Zeit zum Wellenreiten.

    Philipp Hein

  • Genug von Weihnachten! (KW 50, 11. Dezember 2017)

    Sie hat genug von diesem Weihnachten.

    Genug von diesem Fest, an dem auf Kommando alle lieb miteinander sind.

    Genug von diesem Erwartungsdruck, der die Frustration vorprogrammiert.

    Genug davon, miteinander ein Lied zu singen, obwohl das ganze Jahr nie miteinander gesungen wurde.

    Genug von dieser Pflichtübung, Geschenke auszutauschen; denn das unterstützt die Konsumhaltung uns ist weit weg vom eigentlichen Sinn des Festes.

    Genug, dieses Jahr wird sie nicht zu Hause sein und dieses verlogene Getue nicht mehr mitmachen.

    Seit dem Adventsbeginn tut sie sich schwer mit diesen vielen künstlichen Lichtern, die blenden, anstatt zu ermutigen, die eigenen dunklen Seiten anzusehen du erhellen zu lassen.

    Sie hat genug von diesem manipulierten Weihnachtsfest, denn die weiß um den Sinn von Weihnachten. Mitten im November kamen ihr beim Hören eines Liedes Tränen, die sie sogar vor den anderen nicht zurückhalten konnte. Peinlich – ein altmodisches Lied, das ihrer verstorbenen Oma immer sehr gefallen hat, bringt sie zum Weinen. Ausdruck ihrer Sehnsucht nach echten Beziehungen, sie sogar über den Tod hinaus berühren und zum Leben ermutigen können.

    Sie hat genug von Weihnachten, sie sehnt sich danach. Dem wahren Weihnachten!

    Simone Thomas

    (Nach Pierre Stutz, Unserer Sehnsucht folgen. Ein Begleiter für die weihnachtliche Zeit. Freiburg i. Br. 2014)

  • Meine Sehnsucht wahrnehmen (KW 49, 4. Dezember 2017)

    Feinfühlig werden

    bei mir selber ankommen

    wahrnehmen

    was ist

    was leben möchte

    was verbindet

    meiner Sehnsucht trauen

     

    Hellhörig werden

    bei mir zu Hause sein

    horchen

    auf die innere Herzensstimme

    auf die subtilen Lebensschreie

    meiner Sehnsucht begegnen.

     

    Achtsamkeit entfalten

    Erwartungen nachgehen

    adventlich werden

    mich nicht abfinden

    mit Ungerechtigkeit

    mir und anderen gerecht werden

    meiner Sehnsucht nachspüren.

    (aus: Pierre Stutz, Unserer Sehnsucht folgen. Ein Begleiter für die weihnachtliche Zeit, Freiburg i. Br. 2014)

    Ausgewählt von Simone Thomas

  • Gedanken zum Hochfest Christkönig (KW 48, 27. November 2017)

    Worum geht es eigentlich bei diesem Fest am Ende des Kirchenjahres – „Christus König“?
    Geht es um das Weltgericht, oder
    geht es um die christliche Hoffnung, dass er „das Antlitz der Erde“ erneuert?

    Eine wichtige Spur zum Vertsehen finde ich in der Nummer 49 des Apostolischen Schreibens „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus, das er gerade am Fest Christkönig 2013 veröffentlicht hat. Dort heißt es:

    „Brechen wir auf, gehen wir hinaus, um allen das Leben Jesu Christi anzubieten!
    Ich wiederhole hier für die ganze Kirche, was ich viele Male den Priestern und Laien von Buenos Aires gesagt habe:
    Mir ist eine "verbeulte" Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.
    Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein,
    und schließlich in einer Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist.
    Wenn uns etwas in heilige Sorge versetzen und unser Gewissen beunruhigen soll, dann ist es die Tatsache, dass so viele unserer Brüder und Schwestern ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben, ohne eine Glaubens-gemeinschaft, die sie aufnimmt, ohne einen Horizont von Sinn und Leben.
    Ich hoffe, dass mehr als die Furcht, einen Fehler zu machen, unser Beweggrund die Furcht sei, uns einzuschließen in die Strukturen, die uns einen falschen Schutz geben,
    in die Normen, die uns in unnachsichtige Richter verwandeln,
    in die Gewohnheiten, in denen wir uns ruhig fühlen, während draußen eine hungrige Menschenmenge wartet und Jesus uns pausenlos wiederholt: »Gebt ihr ihnen zu essen!« (Mk 6,37). (49)“

    Lieber „verbeult“ als „hochglanzpoliert“ so beschreibt der Papst seine Hoffnung für die Kirche und damit auch für uns. Neugierig und mutig in die Welt gehen, so verstehe ich sein Bild von diesem „Christus König“ und seine Vision für die Kirche in unserer Zeit. Anders aber auch radikal beschreibt Dorothee Sölle diese Spannung des „Schon und noch nicht“ in ihrem Gedicht „Hände, die heilen“:

    Wir dürfen uns nicht von der Ohnmacht
    überwältigen lassen.
    "Da kann man nichts machen" ist ein gottloser Satz.
    So ist es eben, Hunger hat es immer gegeben,
    heißt sagen, Gott hat keine Hände.
    Zu denken, ich als einzelne kann sowieso nichts ändern,
    heißt, sich selber abschneiden von der Liebe Gottes.
    Es ist ja nicht wahr, dass du allein bist.
    Wir haben alle und an jedem Ort viel mehr
    Schwestern und Brüder, als wir glauben.
    Der Glaube an das Evangelium beginnt mit ihrer Entdeckung:
    Geschwister entdecken,
    die neuen Namen des Reiches Gottes durchzubuchstabieren
    und frei zu werden vom Zwang
    einer brutalen, Mensch und Tier vernichtenden Zeit.
    Wir legen diese Zeit aus Eisen und Blut,
    aus Kälte und Gleichgültigkeit
    in Gottes gute Hände,
    Hände, die arbeiten an der Befreiung,
    Hände, die heilen,
    Hände, die teilen.
    Die Zeit ist von Gott erfüllt,
    und die Welt, in der niemand hungern muss,
    liegt vor unseren Augen.
    Kehrt um und vertraut der Botschaft,
    die die Verlorenen rettet. (zitiert aus: predigtforum.at)

    Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir in unseren Lebensbezügen dieses Vertrauen in den „Christus König“ haben, der uns ermutigt, die eigenen Schatten zu überspringen und so mitzubauen am „neuen Antlitz der Erde“ in Frieden und Gerechtigkeit.

    Ralf Pius Krämer

  • Der Wert des Fragens (und Antwortens!)(KW 47, 20. November 2017)

    Ich finde es spannend, Fragen zu stellen. Aber manchmal nervt es mich auch. Gerade wenn so viele Fragen im Raum stehen und Antworten fehlen.

    Und vor allem,

    wenn Fragen sich so viel Raum einheimsen, dass man meint, Lösungen haben keinen Platz mehr und so viel Energie fressen, dass man viel zu müde zum Handeln wird.

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass zu viele offene Fragen lähmen, sei es im Bereich unserer kirchlichen Entwicklung, sei es im Religionsunterricht, sei es in der Planung von Projekten.

    Und trotzdem hat das Fragen einen Wert: Seltenes und Unbemerktes tritt zutage, Interesse zeigen, die Uneindeutigkeit und damit die Vielfalt der Welt konstatieren, der Neugierde freien Lauf lassen – so wie es unten Eva Jung beschreibt.

    Wir brauchen Räume, Energie und Phantasie für beides: Fragen und Antworten.

     

    Aus einem von mehreren Einführungsworten aus dem Buch

    Eva Jung: Alltagstourist. An unscheinbaren Orten dem tieferen Sinn auf der Spur, 2014.

     

    Was fragen Sie sich eher selten?

    Was haben Peter Frischli und David Weiss, Max Frisch und Pablo Neruda gemeinsam? Von diesen und einigen weiteren Herren gibt es Bücher randvoll nur mit Fragen. Nicht solche, die man bei Quizspielen im Fernsehen zum Gewinn von Millionenbeträgen gestellt bekommt. In besagten Büchern findet man seitenweise herrliche, zunächst banal anmutende Fragen – über denen man ein ganzes Leben brüten könnte. Im Gegensatz zu den Quizfragen bringen sie nur scheinbar keinen Gewinn.

    Wer fragt, ist interessiert.

    Manche Fragen kommen völlig harmlos daher. Auf den zweiten Blick entpuppen sie sich aber als heimtückisch und hintergründig. Wenn sie richtig gut sind, werfen sie noch mehr Fragen auf.

    Die Welt ist fragwürdig.

    Es gibt Menschen, die sich für solche Fragen nicht interessieren – Vertreter des Feststellbaren, des Zählbaren und des Verwertbaren. Sie werden auf diese Art von Fragen wahrscheinlich mit einem verständnislosen Blick antworten, mit der Schulter zucken und weiterblättern.

    Kinder fragen. Erwachsene antworten.

    […]

    Sind Sie neugierig?

     

    Sabrina Koch

  • November: Der Monat mit dem Trauerrand (KW 46, 13. November 2017)

    Die dunkle Jahreszeit ist da. Neben, Nieselregen – November, der „Monat mit dem Trauerrand“. In dieser dunklen Zeit leuchten ausgerechnet die Friedhöfe, weil auf vielen Gräbern Kerzen brennen, zum Beispiel am Gedenktag Allerseelen. Die Lichter zeigen: Familien und Freunde besuchen die Gräber ihrer Toten. Und beten für sie, weil sie glauben, dass die Verstorbenen bei Gott, in seinem Licht sind. Alles, was ein Mensch in seinem Innersten war, seine Fröhlichkeit und seine Traurigkeit, sein Mut und seine Ängste, alle, was in seiner Seele lebte, ist nun bei Gott.

    Friedhöfe sind Spiegelbilder der Gesellschaft, heißt es. Man sehe es einem Friedhof an, ob er ein Ort ist, an dem Lebende und Tote sich treffen, oder eine „letzte Deponie“. Wenn jemand sagt, er wolle anonym bestattet werden, zucke ich innerlich zusammen. Als Begründung heißt es meist, den Hinterbliebenen soll die Grabpflege erspart bleiben, denn die kostet viel Zeit und noch mehr Geld. Außerdem seien heutzutage die Familien klein und die berufsbedingte Mobilität groß, die Zeit für Familiengräber sei also vorbei. Klingst vernünftig, ist emotional aber bedenklich: Denn wer anonym bestattet wurde, ist dem Gedenken der Gemeinschaft entzogen. Es gibt keinen Ort für das Grablicht. Keinen Ort der Begegnung der Lebenden und der Toten. Die Enkel wissen nicht, wo die Großmutter beerdigt ist. Sie können keinen Blumenstrauß aufs Grab stellen und ihr nicht, so wie früher, anvertrauen, was sie auf dem Herzen haben.

    Möglicherweise geht es beim Wählen anonymer Bestattungsformen ja auch gar nicht wirklich ums Geld: Vielleicht ist es ein Ausweichen vor den Fragen nach Tod und Ewigkeit? Christliche Überzeugung ist es, dass der Mensch einen un-endlichen Wert hat, einen Wert über den Tod hinaus. Weil Gott ihm eine ewige Wohnung bereitet, wie es Jesus Christus versprochen hat. Und diese Wohnung ist keineswegs anonym. Die Grablichter auf den Friedhöfen erzählen davon.

    Wenn Sie in diesen Tagen die Gräber Ihrer Angehörigen aufsuchen, wünsche ich Ihnen, dass es eine gute Begegnung werde mit denen, die Ihnen vorausgegangen sind in ihr ewiges Zuhause bei Gott.

    (aus: Kardinal Woelki, Gott begleite uns.)

    Ausgewählt von Klaus Kohnz

  • Träumen erlaubt! (KW 45, 6. November 2017)

    Stell dir vor

    Menschen verlieren ihre Angst zu kurz zu kommen

    sie teilen ihre Kompetenz

    ihre Finanzen

    ihre Fähigkeiten und Gaben –

    glückliches Leben ereignet sich.

     

    Stell dir vor

    Menschen verwandeln ihre Habenmentalität

    in Seinsverbundenheit

    sie schaffen faire Löhne

    damit die Menschen ihr Land

    nicht verlassen müssen

    sondern in Eigenverantwortung

    ihre Ressourcen nützen können –

    solidarisches Leben konkretisiert sich.

     

    Stell dir vor

    Menschen sensibilisieren und informieren sich

    was mir ihrem ersparten Geld geschieht

    sie investieren in ökologische

    und frauenfreundliche Projekte –

    faires Arbeiten verwirklicht sich.

     

    Stell dir vor

    Menschen lassen Gott in sich träumen

    und gestalten mit ihm

    seine neue Welt der zärtlichen Gerechtigkeit.

     

    (Pierre Stutz in: Lass dich nicht im Stich, Die spirituelle Botschaft von Ärger, Zorn und Wut.)

    Ausgewählt von Simone Thomas

  • Novembersegen (KW 44, 30. Oktober 2017)

    Der Segen des lebendigen

    und lebenschaffenden Gottes gehe mit uns

    in dieser Zeit des Dunkels

    und der Traurigkeit für so viele Menschen.

    Licht soll werden, so ist die Verheißung.

    Durch uns, mit uns.

    Ja, es geschehe.

    Es segne und behüte uns unser Gott,

    der Gott, der uns Vater und Mutter zugleich ist,

    der Gott, der uns in Jesus so nahe gekommen ist,

    der Gott, durch dessen lebendigen Haus wir leben.

    Wir gehen im Frieden

     

    (Birgitte Enzner-Probst)

    Ausgewählt von Carlo Fischer-Peitz

  • Noch geschwind leben (KW 43, 23. Oktober 2017)

    Noch geschwind ein paar sehnsüchtige Blicke zum Himmel werfen

    und der Unendlichkeit tief in die Regenbogenaugen schauen.

     

    Noch schnell das Feuer der Hoffnung entzünden

    und alle Zweifel und Ängste verbrennen.

     

    Noch geschwind die Quellen der Missverständnisse

    trockenlegen und Wasser auf die Mühlen des Verstehens leiten.

     

    Noch schnell alles Überflüssige zum Teufel jagen

    und  eine Herde Zärtlichkeit abfangen zwischen Herz und Hirn.

     

    Noch geschwind dem Leben ins Genick springen mit aller Kraft

    und die Liebe unter dem Teppich der Alltäglichkeit hervorholen.

     

    Noch geschwind leben,

    bevor uns die Dunkelheit ihren dicken Mantel zuwirft.

     

    (Ernst Ferstl)

     

    Ausgewählt von Philipp Hein   

  • Freiheit für Frieden und Frieden für Freiheit (KW 42, 16. Oktober 2017)

    Ich grüße dich, den unerreichbaren Traum des Menschen. Ich grüße dich, das Ziel der Reisenden des Weges ohne Rückkehr. Ich grüße dich, den Vogel mit blutigen Federn und Flügeln. Ich grüße dich, die Freiheit und das gefangene Wort.

    Ich weiß nicht, wie die Leute dieses Landes oder anderer Länder dich nennen und ich weiß nicht, wie du mit deinem Sein auf welcher Wunde des Körpers der Menschlichkeit Medizin sein würdest.

    Ich weiß nur, dass du das schönste Lied der Schöpfung und der süßeste Traum des Menschen von Anfang bis zur Ewigkeit warst und bist. Aber es ist leider so, dass dein schwacher Körper immer im Griff der Diebe des Lichtes und der Helligkeit durch Dunkelheit und Grausamkeit gefangen war und ist.

    Oh Freiheit. Ich wünschte, dass wir für dich etwas tun könnten. Ich wünschte, dass jemand sich finden würde, um auf die Wunden, die du von den Menschen bekommst, Medizin zu reiben und ich wünschte, dass du dich aus dem Gefängnis der Dunkelheit befreien könntest. Ja, wenn ich richtig bedenke, brauchst du selber vor allem Freiheit und die Freiheit der Menschen hängt von der Öffnung der Gefangenenkette ab, die um deine schwachen und müden Füße geschlossen sind.

    Aber wie? Wenn du dich etwas bewegst und es kommt durch deine rostige Gefangenenkette ein bisschen Ton in die Ohren der Leute, die immer auf dich warten, schlagen die Menschen vor allem eine neue Wunde in deinen Körper und schließen mit einem neuen Schlüssel dein Gefängnis ab.

    Jedes Mal wird es mit einer Ausrede getan. An einem Tag machen sie dich zum Opfer wegen ihrer Absicht, immer mehr zu wollen. An einem anderen Tag wirst du ein Schild gegen die Unwissenheit der Massen sein. Einmal schlagen sie dich im Namen der Religion und ein anderes Mal nennen sie dich verbotene Früchte.

    Oh Freiheit. Ich liebe dich. Ich denke, dass unsere verlorene Menschlichkeit mit deiner Hilfe zurückkommt. Ich denke, dass du mit deinem Sein auf den Wunden der Menschlichkeit Medizin sein wirst.

    Komm Freiheit, komm.

    Bevor es zu spät wird und dein Kommen nicht mehr vorteilhaft für die zu schwache Seele der Menschlichkeit ist.

    Komm Freiheit, komm.

     

    Diesen selbstverfassten Text hat Masoud (Virya) Almasi bei der Offenen Friedensandacht am UN-Friedenstag, dem 21.09.2017 in Daun, vorgetragen.

  • Ja! (KW 41, 9. Oktober 2017)

    Wenn man mich fragen würde, was ich am meisten in der Welt liebe, was mir das Kostbarste in der Welt ist, könnte ich wirklich nichts anderes sagen als: die Kirche! Allerdings, wenn man fragen würde, was das Vergänglichste in der Welt ist, was am meisten anders werden muss, müsste ich wiederum sagen: die Kirche!

    Warum liebe ich die Kirche über alles, was ich in der Welt habe? Deswegen, weil ich daran glaube, dass in dieser Kirche mit all ihren Mängeln, mit all ihrer Not, mit all ihrer Vorläufigkeit, mit all dem, was anders sein könnte an ihr, Gott zur Menschheit steht. Und wenn ich alle Menschen liebe, dann muss ich gerade, wenn es mir um die Menschen geht, die Kirche lieben. Denn Kirche ist nichts anderes als das Zeichen dafür, dass Gott Menschen, wie sie sind, in ihrer Armseligkeit, in ihrem Nichts, in ihrer Vorläufigkeit und Relativität angenommen und ernst genommen hat. Mein Ja zu allen Menschen ist also dadurch real und wirklich, dass ich sie hineinstelle in dieses Ja Gottes, in sein Handeln, in seine Gnade, in sein Erbarmen mit den Menschen.

    (Klaus Hemmerle in: Gottes Zeit - Unsere Zeit!)

    Ausgewählt von Klaus Kohnz

  • Herbst (KW 40, 2. Oktober 2017)

    Der Herbst hat begonnen: wir genießen die Farbenpracht der Natur, wir staunen über die Vielfalt, wir ahnen Veränderungen und das Loslassen, die kommen. Symbol unserer Gesellschaft, auch unseres eigenen Lebens. Selten ist das Leben ruhig. Es kommen immer wieder neue Anforderungen, Veränderungen. Auf manche warten wir sehnsüchtig, weil sie uns gutes, geglücktes, geliebtes, geborgenes, getragenes Menschsein bringen. Anderes macht uns Angst: gesellschaftliche Probleme, wachsende unversöhnliche Spaltungen in Gesellschaft und Politik, manche Entwicklung im Bistum und den Pfarreien wecken Ängste und Befürchtungen. Was ist gut loszulassen? Was ist wichtig zu bewahren? So sorgen wir für Vielfalt in unserem Leben, wir sind dankbar für die Vielfalt an Menschen und Ideen in Kirche und Gesellschaft. Doch wissen wir, dass Leben und Menschsein immer Ringen um Leben, um gute Wege für uns, für andere, für die Mitgeschöpfe und die Natur ist. So fragen wir, was Jesus an unserer Stelle denken und handeln würde, was ihm wichtig ist, was er als Grundwerte und Grundkonstanten ansieht. Denn sein Ruf zur Umkehr heißt manches zu bewahren, anderes loszulassen, wieder anderes zu verändern. Der Herbst lädt uns ein über Loslassen und Bewahren im Sinne Jesu nachzudenken und daraus gute Taten, aufrichtende und kritisierende Worte, Menschen- und Gottesliebe folgen zu lassen.

    Ulrich Apelt

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